Kneipen

Früher hatten viele Kneipen in Wohnvierteln den Ruf, düstere, verrauchte Spelunken zu sein, in denen sich die Altherrenriege des Viertels traf, um am Stammtisch politische Parolen auszutauschen und – natürlich – ein Bierchen zu trinken. Heute sind Kneipen ein lebendiger Teil unserer Kultur und die Kneipe ist nicht nur ein Bierlokal mit gedrechselten Hockern an einem langen Tresen, sondern ein wichtiger Bestandteil des kulturellen und sozialen Lebens. Aber was bedeutet eigentlich „Kneipe“? Ursprünglich stammt das Wort aus dem Jargon der Studenten des 19. Jahrhunderts, als sich die Studentenverbindungen formierten um Kontakte fürs Leben zu knüpfen und Seilschaften zu bilden, die im späteren Berufsleben förderlich sein sollten. Dazu gehörte in Deutschland natürlich auch unbedingt der Bierkonsum. Viele Studenten trafen sich also wöchentlich „zur Kneipe“ in einem Lokal, um gemeinsam zu trinken und ihre Traditionen zu pflegen. Als die Verbindungen sich so weit etabliert hatten, dass eigene Verbindungshäuser entstanden, rückte das Treffen in Gaststätten etwas in den Hintergrund, in den Vordergrund rückte aber das Wort „Kneipe“, das fortan als Synonym für ein Trinklokal geführt wurde.

Moderne Kneipen heute

Heute ist in vielen Kneipen der Mief des Altherrenstammtisches einer lebendigen Kultur gewichen, die auch viel junges Publikum anzieht. Dabei geht es weniger um das Bierchen selbst – denn bei der heutigen Auswahl an Flaschenbier müsste kaum noch jemand auf ein frisch gezapftes Bier zurückgreifen – sondern eher um das Ambiente und die Kneipe als Begegnungsstätte. In den Kneipen der einzelnen Viertel treffen sich heute die Stammgäste – die oft auch ihren Stammplatz auf einem bestimmten Barhocker haben – und bunte Vögel, die auf ihrer „Kneipentour“ von Lokal zu Lokal ziehen. Um sich auf dem Markt zu positionieren müssen viele Gastwirte sich ein Alleinstellungsmerkmal erarbeiten, dass ihre Kneipe von anderen unterscheidet. Dazu gehört nicht nur die Bindung an eine bestimmte Brauerei, sondern auch ein besonderes Flair. Irish Pubs, Szenekneipen mit entsprechender Musik, Mittelalter-Tavernen, Motorrad-Kneipen mit Dekorationen in Chrom und Leder konkurrieren um die einzelnen Zielgruppen des Kneipenpublikums.

Kneipen als zweites Wohnzimmer

Natürlich gibt es urbane Kneipen in Großstädten, die von ständig wechselnden Besuchern der Stadt leben. Es gibt aber auch immer noch die gute alte Stammkneipe im eigenen Viertel, und damit erfüllen Kneipen eine wichtige soziale Funktion. Wer in die Kneipe geht, kommt unter Menschen, erfährt, was im Viertel passiert, wer heiratet und wer sich scheiden lässt, wer im Urlaub ist oder im Krankenhaus liegt und sich über Besuch freuen würde – Kneipen sind immer ein lebendiger Ort der Begegnung!

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

*

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>